Meldung vom 19.01.2014

Zentralfriedhof Stralsund - 70 Jahre gemeinsamer Ort für Lebende und Tote

Mit 28 ha Fläche ist der Zentralfriedhof größter Friedhof in der Hansestadt Stralsund und der einzige kommunale, auf dem derzeit bestattet wird.

Die Friedhofsanlage beruht auf den Ideen der Friedhofsreformbewegung des 20. Jahrhunderts und verfolgte das Ziel, die vorhandenen Stadtfriedhöfe St.-Jürgen und Franken, deren Belegungsgrenze abzusehen war, durch einen abseits gelegenen Wald- bzw. Parkfriedhof zu ersetzen.

GESTALTUNG

Der Gestaltungsentwurf für den heutigen Zentralfriedhof stammt von Stralsunds Gartenbauinspektor Hans Winter (Plan für den „Hauptfriedhof Stralsund“ vom 2.2.1939). Realisiert wurde ab 1939 ein erster südöstlicher Bauabschnitt unter den schwierigen Bedingungen des beginnenden 2. Weltkrieges. 1940 wird in den Entwurf von Hans Winter ein Ehrenfeld für die gefallenen Soldaten der Wehrmacht eingefügt, das als nutzbare Bestattungsfläche umgehend hergerichtet wurde.

ERSTE EINTRAGUNG

Die erste Eintragung in das Sterberegister des heutigen Zentralfriedhofes ist mit dem Sterbedatum 19.1.1944 und der Berufsbezeichnung „Unteroffizier“ Karl-Heinz Unmack. Er wurde auf dem Grab Nr.1 des Ehrenfriedhofes (=Ehrenfeld) beerdigt. Das Datum markiert somit den Beginn der Nutzung des neuen Friedhofes. Heute werden dieser Begräbnisplatz sowie weitere 896 Kriegsgräber, darunter die zahlloser Opfer des Bombenabwurfes vom 6.10.1944, als Kriegsgräberstätte auf dem Zentralfriedhof unterhalten.

„Des Lebenden Leid durch die Natur lindern“

Der 1939 verfolgte Planungsansatz einer naturnahen, wald- bzw. parkartigen Friedhofsanlage entspricht heute optimal den veränderten Anforderungen an das Bestattungsverhalten. Im Trend befindliche Waldbestattungen fanden bereits im Plan von 1939 unter dem Begriff „Waldgräber“ ihren Platz. Auch das verfolgte Planungsziel für die Friedhofsanlage, „des Lebenden Leid durch die Natur zu lindern“, können heutige Friedhofsnutzer hier täglich erfahren. Allerdings auch richtige Waldwege, die bei feuchtem Wetter kaum begehbar sind. Hier wurde in den vergangenen Jahren bereits viel verbessert, aber es bleibt noch viel zu tun. Größere Sorgen machen der Friedhofsverwaltung die immer noch zahlreichen vergessenen, verwahrlosten, aber auch gepflegte Grabstätten ohne Nutzungsrecht. 

AUFRUF

Die Friedhofsverwaltung ruft wiederholt auf, die individuellen Nutzungsrechte an Familiengräbern eigenverantwortlich zu prüfen und diese vor Ablauf des Nutzungsrechtes zu verlängern oder in der Friedhofsverwaltung abzumelden, wenn die Grabstätte nicht weiter genutzt werden soll! Bitte achten Sie auch darauf, dass einmalig erworbene Nutzungsrechte von vor dem 3.10.1990 per Satzungsänderung bereits am 31.11.2011 endeten! Für die Abgabe von Einebnungsaufträgen für das Frühjahr 2014 ist letzter Abgabetermin 15.2.14. Für Rückfragen stehen wir unter Telefonnummer 39 02 79 gern zur Verfügung.

Datensammlung zur geschichtlichen Entwicklung des Zentralfriedhofes

1939
Plan für den neuen „Hauptfriedhof Stralsund“ von Gartenbauinspektor Winter, 2.2.1939
Der Plan wird durch den Regierungspräsidenten in Stettin sowie den Oberbürgermeister bestätigt und zur Ausführung beschlossen, erste Bauabschnitte realisiert.

1940
Es erfolgten umfangreiche Pflanzenlieferungen der Baum- und Rasenschule Neuhoff in Rellingen/Holstein. In einem Kostenvoranschlag finden 5.000 Birken, 100 Eichen, 30.000 Wildrosen, 2.000 Wacholder und 10.000 Forstpflanzen für die Bepflanzung des neuen Friedhofes Erwähnung.

1941
Die ersten Bauabschnitte werden fertiggestellt und für Bestattungen freigegeben.
Auf Veranlassung des Beauftragten für die Gestaltung von Heldenfriedhöfen wird in den Plan von Hans Winter ein Ehrenfeld für die gefallenen Soldaten der Wehr¬macht eingefügt, durch den der 1939 geplante Haupt¬zugang zum Friedhof vom Heinrich-Heine-Ring an die Prohner Straße verändert wird.

1944
Mit dem Sterbedatum 19.01.1944 ist Karl-Heinz Unmack der erste Verstorbene, der auf dem Grab Nr. 1 des Ehrenfeldes, der heutigen Kriegsgräberstätte, seine letzte Ruhe findet.

um 1950
Die heutige Hauptachse wird mit Linden bepflanzt, die westliche und südliche Friedhofsbegrenzung durch Einzäunung und Gehölzpflanzungen markiert.

ab 1955
Bau der Feierhalle auf dem Zentralfriedhof

ab 1956
Unter der Leitung des Gartenarchitekten Hartmut Olejnik wird der Friedhof nördlich des Hauptzuganges schrittweise erweitert, der Hauptweg befestigt sowie Wasserleitungen gebaut.

1971
Auf dem Ehrenfeld wird eine Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges angelegt.

1993
Zur Bewirtschaftung des Zentralfriedhofes wird ein kommunaler Eigenbetrieb gegründet.

1997
Mit dem Neubau der Gebäude am Heinrich-Heine-Ring 77 entsteht eine moderne Friedhofsverwaltung. Die Beschäftigten erhalten Sozialräume und die Friedhofstechnik Möglichkeiten zum Abstellen und Reparieren.
Der ursprünglich im Plan von 1939 vorgesehene Friedhofseingang vom Heinrich-Heine-Ring wird zur Erschließung der Friedhofsverwaltung umgesetzt.

2013
Ein überdachter Wartebereich vor der Feierhalle wird in Nutzung genommen.

Zusammenstellung: Eva Schubert, Betriebsleiterin